WHO Sepsis Resolution 2017
Sepsis als „gemeinsame Endstrecke des Todes durch die meisten Infektionskrankheiten weltweit“; die meisten Todesfälle wären vermeidbar; Die WHO fordert ihre Mitgliedsstaaten auf, das öffentliche Bewusstsein für das Risiko des Fortschreitens von Infektionskrankheiten zu einer Sepsis zu stärken; Kommunikation unter Verwendung des Begriffs „Sepsis“ gegenüber Patienten, Angehörigen und anderen Beteiligten.
WHO Sepsis Sekretariat Report 2017
Die meisten Arten von Mikroorganismen können Sepsis verursachen, darunter Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten; Manifestationen von Sepsis und septischem Schock können einen häufigen tödlichen Verlauf von Infektionen mit Influenza-, Dengue-, SARS-, MERS- sowie Ebola-Viren darstellen; Sepsis wird häufig in einem frühen Stadium nicht erkannt, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt noch potenziell reversibel ist; Frühe Diagnose und rechtzeitige Behandlung von Sepsis sind entscheidend für das Überleben; Selbst bei viralen Epidemien wie Ebola konnten die Sterblichkeitsraten durch rechtzeitige und angemessene Patientenversorgung deutlich gesenkt werden.
Global Sepsis Collaborators 2025 (Lancet Glob Health.)
Sepsis zählt weltweit zu den bedeutendsten Ursachen für Krankheit, Tod und Behinderung; die globale Sepsisbelastung nahm während der COVID-19-Pandemie wieder zu und kehrte damit zuvor erzielte Fortschritte um; sepsisassoziierte Todesfälle stiegen zwischen 2019 und 2021 von 8,34 auf 15,5 Millionen (+86,4 %).
Fleischmann-Struzek C., Rose N., Reinhart K. (2021/2022)
Die Epidemiologie sepsisassoziierter Todesfälle in Deutschland ist unzureichend verstanden, da Sepsistodesfälle in der deutschen monokausalen Todesursachenstatistik nicht identifiziert werden können; die Erweiterung der monokausalen hin zu einer multikausalen Todesursachenstatistik in Deutschland ist dringend notwendig; Sepsisassoziierte Todesfälle sind häufig und stehen mit einem relevanten Anteil der Todesfälle in Deutschland in Verbindung; bei Verwendung impliziter Sepsiscodes waren 47,2 % aller Krankenhaustodesfälle mit Sepsis assoziiert.
Schwarzkopf et al. (2023)
Es ist alarmierend, dass bei Patienten mit schwerer Sepsis nur etwa die Hälfte der Krankenakten das Wort „Sepsis“ enthielt; da Sepsis untercodiert wird, haben frühere epidemiologische Studien die Häufigkeit sowie die Belastung durch Todesfälle, Erkrankungen und Kosten im Zusammenhang mit Sepsis in Deutschland erheblich unterschätzt; es bestehen große Unterschiede zwischen Krankenhäusern bei der Genauigkeit der Diagnosestellung und Codierung von Sepsis
Karakike 2021 (Crit Care Med.)
Die Mehrheit der wegen COVID-19 auf Intensivstationen behandelten Patienten erfüllt die Sepsis-3-Kriterien; schwere COVID-19-Verläufe können als virale Sepsis betrachtet werden; die Autoren beschreiben die anhaltende Unterschätzung von Viren als Ursache von Sepsis.
Rhee 2017 (JAMA)
Explizite Sepsis-Codes erfassten nur 32,3 % der durch Aktenprüfung identifizierten Sepsisfälle; in der Aktenprüfung wurde Sepsis klassifiziert, wenn eine sichere oder mögliche Infektion vorlag und der SOFA-Score infolge einer Infektion um mindestens zwei Punkte gegenüber dem Ausgangswert anstieg.
Mellhammar L. et al. 2023 (JAMA)
Sepsis stellt eine erhebliche Belastung für die öffentliche Gesundheit dar; ICD-kodierte Krankenhausentlassungsdiagnosen unterschätzen die Zahl der Sepsisfälle erheblich; nur eine Minderheit der Patienten mit Sepsis erhielt einen expliziten ICD-Code für Sepsis; die WHO betont die klinische Aktenprüfung als Referenzstandard für epidemiologische Sepsisdaten.
Surviving Sepsis Campaign 2026 (Intensive Care Med.)
Sepsis - eine lebensbedrohliche akute Organfunktionsstörung infolge einer Infektion; weltweit jährlich etwa 49 Millionen Sepsisfälle und 13 Millionen sepsisassoziierte Todesfälle; in der klinischen Praxis sollte die Diagnose von Sepsis und septischem Schock auf einer ganzheitlichen klinischen Beurteilung beruhen; Sepsis ist eine klinische Diagnose und sollte nicht anhand eines einzelnen Biomarkers oder diagnostischen Tests bestätigt oder ausgeschlossen werden; Sepsis und septischer Schock sind medizinische Notfälle; Behandlung und Stabilisierung sollten unverzüglich beginnen; NEWS, NEWS2, MEWS oder SIRS statt qSOFA als alleiniges Screening-Instrument; empfiehlt erstmals ein standardisiertes Sepsis-Screening bereits im Rettungsdiens.
Literaturauswahl rund um Sepsis
Sepsis in Deutschland
Van den Bruel 2010 (The Lancet)
Die Sorge von Eltern, dass „etwas nicht stimmt“, kann ein wichtiger Warnhinweis auf eine schwere Infektion sein.
Almond 2009 (BMJ)
Ein häufiges Warnzeichen schwerer Infektionen ist die Beobachtung von Eltern, dass ihr Kind „nicht es selbst“ ist. Häufig beschreiben sie ungewöhnliche Schläfrigkeit, Teilnahmslosigkeit, verminderte Reaktionen auf die Umgebung, auffällige Reizbarkeit oder ein insgesamt anderes Verhalten als bei früheren Infekten.
Van den Bruel 2012 (BMJ)
Wenn Eltern das Gefühl haben, dass eine Erkrankung „anders als sonst“ verläuft oder mit ihrem Kind „etwas nicht stimmt“, sollte dies ernst genommen werden. Studien zeigen, dass solche Beobachtungen zu den wichtigsten Warnhinweisen die Ärztinnen und Ärzte an eine mögliche schwere Infektion denken lassen.
Stolper 2013 (BMC Fam Pract.)
Erfahrene Behandelnde beschreiben ein Warngefühl, das auftreten kann, wenn Beschwerden, Verhalten oder Krankheitsverlauf nicht zum erwarteten Bild passen – selbst bevor sich dies durch objektive Befunde erklären lässt.
Evans 2021 (Intensive Care Med.)
Die Sorge von Eltern sollte ernst genommen werden. Studien zeigen, dass sie häufiger bei Kindern mit bakteriellen Infektionen, Intensivstationsaufnahmen oder schwereren Krankheitsverläufen auftritt. Sie reicht jedoch nicht aus, um eine Sepsis allein zu erkennen oder auszuschließen.
NICE 2016 (NG51)
NEWS2 2017 (RCP)
Stolper 2009 (BMC Fam Pract.)
Stolper 2011 (J Gen Intern Med.)
High et al. 2009 (Clin Infect Dis.)
Früherkennung und Versorgung
Prescott & Costa 2018 (Crit Care Clin.)
White Paper 2022 (Dtsch Med Wochenschr.)
Prescott 2018 (JAMA)
Iwashyna 2010 (JAMA)
Pandharipande 2013 (NEJM)
Needham 2012 (Crit Care Med.)
Hatch 2018 (Crit Care)
Fleischmann-Struzek 2024 (Crit Care)
S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung (AWMF 155-001)
Fleischmann-Struzek 2021 (JAMA Network Open)
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Nachsorge
Grundlagen und Relevanz
Fleischmann-Struzek 2021 (JAMA Network Open)
Von den Überlebenden entwickelten innerhalb des ersten Jahres nach der Sepsis: 74,3 % mindestens eine neue medizinische, psychische oder kognitive Erkrankung, 30,7 % starben innerhalb des ersten Jahres nach Entlassung, 31,5 % wurden neu pflegebedürftig; Sepsis ist ein Ereignis, das zu dauerhaften Einschränkungen und Behinderungen führen kann; selbst bei Überlebenden unter 40 Jahren entwickelten 56,1 % neue gesundheitliche Probleme nach der Sepsis; 6,9 % wurden neu pflegebedürftig; 7,9 % starben innerhalb eines Jahres; auch Patienten ohne relevante Vorerkrankungen vor der Sepsis entwickelten innerhalb eines Jahres 68,5 % neue gesundheitliche Probleme, 25 % neue psychische Diagnosen, 12,8 % neue kognitive Störungen, 19,3 % neue Pflegebedürftigkeit; Krankenhaussterblichkeit: 27 % zusätzliche Sterblichkeit im ersten Jahr nach Entlassung: 30,7 % der Überlebenden; Nicht-schwere Sepsis: 73,7 % neue gesundheitliche Probleme, Schwere Sepsis/septischer Schock: 75,6 % neue gesundheitliche Probleme
Infektionen im Mundraum und Prävention
Prescott & Costa 2018 (Crit Care Clin.)
White Paper 2022 (Dtsch Med Wochenschr.)
Prescott 2018 (JAMA)
Iwashyna 2010 (JAMA)
Pandharipande 2013 (NEJM)
Needham 2012 (Crit Care Med.)
Hatch 2018 (Crit Care)
Fleischmann-Struzek 2024 (Crit Care)
S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung (AWMF 155-001)
Fleischmann-Struzek 2021 (JAMA Network Open)
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