Sepsis Symptome bei Kindern
Welche Informationen Sie hier finden:
• Sepsis bei Kindern, Babys und in der Schwangerschaft
• Besonderheiten je Altersgruppe
Sepsis betrifft häufig auch Kinder und wird nicht selten zu spät erkannt oder verwechselt.
Sepsis-Check war unauffällig?
Erfahren Sie im nächsten Abschnitt, wie Sie bei aktuellen Symptomen einem schweren Verlauf oder Sepsis möglichst vorgbeugen können.
Sepsis-Check speziell für Kinder und Babys
Der Sepsis-Check bietet eine schnelle erste Orientierungshilfe.
Es wird auch nach möglichen Risikofaktoren gefragt. Wichtig: Sepsis betrifft auch Kinder ohne Risikofaktoren.
So sieht der Sepsis-Check aus:
Checkliste als PDF
Sepsis bei Kindern und in der Schwangerschaft vorbeugen
Da eine Sepsis immer durch eine Infektion entsteht, besteht die Sepsis-Prävention aus zwei wichtigen Bausteinen:
Auftretende Infekte ernst nehmen
Jeden Infekt bei Unsicherheit einordnen lassen – ist es ein viraler oder bakterieller Infekt? (Hiernach richtet sich die Behandlung. Systemische Symptome können bei bakterieller Ursache auf den ersten Blick ähnlich wie bei häufigen viralen Infekten wirken)
Verlauf jedes Infektes aufmerksam beobachten
Bei Unsicherheiten, starker oder plötzlicher Verschlechterung, ungewöhnlichen Symptomen oder ungewöhnlichem Verhalten, sollte ohne Abwarten eine Dringlichkeitseinschätzung z. B. über die 116 117 erfolgen (Es könnte eine Anpassung der Therapie notwendig sein)
Eine Behandlung nicht vorzeitig abbrechen, auch wenn die Symptome bereits zurückgegangen sind
Infektionen gezielt vorbeugen
rechtzeitig und regelmäßig den Impfstatus überprüfen
(Gegen Sepsis selbst ist keine Impfung möglich, da es sich um eine Antwort des Körpers auf die Infektion handelt und nicht um einen konkreten Erreger. Da prinzipiell jedoch jede Infektion zu einer Sepsis führen kann, sind Impfungen ein wichtiger Teil der Sepsis-Prävention)allgemeine Hygienemaßnahmen (z. B. AHA-Regel)
sorgfältige Wundhygiene
konsequente Beachtung der Hygieneregeln vor, während und nach der Geburt
(Vor dem Verständnis für die Notwendigkeit von Hygienemaßnahmen starben viele Mütter oder Neugeborene nach der Geburt an einer Sepsis. Diese wurde damals aufgrund der Häufigkeit auch als "Kindsbettfieber" bezeichnet)
Bei Unsicherheit
Sie haben das Gefühl, "etwas könnte nicht stimmen" oder sind unsicher, ob ein Infekt tatsächlich normal verläuft?
Nehmen Sie Ihr Gefühl und/oder das Ihres Kindes ernst. Auch dann, wenn Sie oder Ihr Kind nicht genau benennen können, weshalb Sie unsicher sind.
Im Zweifel sollte eine zeitnahe Dringlichkeitseinschätzung z. B. über die 116 117 erfolgen.
Vermuten Sie einen lebensbedrohlichen Notfall, wählen Sie sofort die 112 oder bringen Sie Ihr Kind in die Notaufnahme.
Ihr Kind wurde bereits ärztlich eingeschätzt?
Holen Sie im Zweifel eine Zweiteinschätzung ein. Dies ist auch nachts und am Wochenende über die 116 117 möglich.
Sepsis-Symptome bei Kindern
Je älter Kinder werden und je mehr sie mit anderen Menschen interagieren, desto mehr Krankheitserregern sind sie ausgesetzt.
Jede Infektion kann zu einer Sepsis führen. Kinder, aber auch Erwachsene, können z. B. Infektionen wie Ohrenentzündung, Lungenentzündung und seltener auch eine Hirnhautentzündung (Meningitis) entwickeln. Nicht oder nicht rechtzeitig behandelt, können prinzipiell alle Infektionen zu einer Sepsis führen – ebenso wie Infektionen von Schnittverletzungen, Schürf- bzw. Kratzwunden oder Insektenstichen.
Im Allgemeinen sind die häufigsten Anzeichen einer Sepsis bei Kindern:
Wichtig: Es müssen keine dieser Anzeichen bei einer Sepsis vorliegen. Die Symptome können unspezifisch und individuell sein.
Hohes Fieber über 38 Grad
Fleckige Haut / kalte Gliedmaßen
Sehr schneller Herzschlag
Starkes Unwohlsein oder Schmerzen
Kurzatmigkeit
Trägheit / Wesensveränderung
Liegen zwei oder mehr Symptome vor, sind das Warnsignale einer möglichen Sepsis. Wählen Sie die 112 oder bringen Sie Ihr Kind in die Notaufnahme. Sepsis ist ein Notfall. Mit jeder Stunde Verzögerung sinkt die Überlebenschance.
Beschreiben Sie Verlauf und ungewöhnliches Verhalten genau und fragen Sie nach: Könnte es eine Sepsis sein?
Holen Sie im Zweifel eine Zweiteinschätzung ein. Durch das noch nicht flächendeckende Bewusstsein für Sepsis, kann es auch bei medizinischem Personal zu Verwechslungen mit beispielsweise normal verlaufenden viralen Infektionen kommen.
Häufigkeit von Sepsis bei Heranwachsenden
Sepsis ist die schwerste und immer lebensbedrohliche Zuspitzung (Komplikation) von Infektionserkrankungen.
Bei uns ist Sepsis für über 11 % aller Todesfälle in der Altersgruppe der 0-19-Jährigen verantwortlich bzw. mitbeteiligt. Bei denjenigen, die an einer Sepsis erkranken, versterben im Krankenhaus immer noch über 16 Prozent.
Früh- und Neugeborene gehören zur besonders gefährdeten Altersgruppe. In Deutschland ist derzeit mit etwa 1.000 Sepsis-Fällen pro 100.000 Geburten zu rechnen. Bei Neugeborenen mit sehr geringem Geburtsgewicht ist Sepsis besonders häufig. Fast 18 Prozent der Frühgeborenen entwickeln eine Sepsis, in 12 Prozent der Fälle verläuft sie tödlich.
Kinder, die eine Sepsis überleben, können in Abhängigkeit vom Schweregrad der Erkrankung längerfristig in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt sein. Fast die Hälfte dieser Kinder muss mindestens noch einmal nach der Entlassung in ein Krankenhaus aufgenommen werden.
Sepsis bei Neugeborenen
Eine Sepsis, die sich innerhalb von 90 Tagen nach der Geburt entwickelt, wird als neonatale Sepsis bezeichnet. Wenn sie innerhalb von 3-7 Tagen nach der Geburt auftritt, wird sie als früh und mehr als 3-7 Tage nach der Geburt als spät einsetzend bezeichnet.
Das Risiko einer frühzeitigen neonatalen Sepsis ist erhöht, wenn:
die Mutter eine Streptokokkeninfektion der Gruppe B während der Schwangerschaft hatte
das Baby eine Frühgeburt ist
die Fruchtblase mehr als 24 Stunden vor der Geburt des Babys platzt.
Die spät auftretende neonatale Sepsis kann durch Bakterien, einen Virus oder einen Pilz (selten) verursacht werden. Babys, die zur Behandlung im Krankenhaus bleiben müssen oder Personen mit ansteckenden Infektionen ausgesetzt sind, haben ein höheres Sepsis-risiko. Am gefährlichsten für Säuglinge sind das Humane Respiratorische Synzytial-Virus (RSV), E. coli-Bakterien, Candida-Pilze und das Herpes-Simplex-Virus.
Anzeichen und Symptome einer neonatalen Sepsis sind:
Körpertemperatur abnormal kalt oder fiebrig
Schwere Atmung
Durchfall und/oder Erbrechen
Verlangsamte Reaktionen/Bewegungen
Schwierigkeiten beim Saugen
Krampfanfälle
Die Symptome können vielfältig sein und eine abschließende Aufzählung ist kaum möglich. Im Zweifel sollte eine mögliche Erkrankung prinzipiell immer sofort abgeklärt werden. Auch nachts und am Wochenende ist eine Dringlichkeitseinschätzung z. B. über die 116 117 möglich.
Da das Immunsystem bei früh geborenen Babys noch nicht voll entwickelt ist, sind sie anfälliger für Infektionen und Sepsis.
Muss ein Kind künstlich beatmet werden, steigt zudem das Risiko für eine Lungenentzündung, die wiederum zu einer Sepsis führen kann. Auch Venenkatheter oder andere Katheter erhöhen das Risiko für Infektionen.
Dies trifft insbesondere für Frühgeborene mit sehr geringem Gewicht von weniger als 1500g zu, die, wie eine aktuelle Untersuchung in Deutschland zeigte (Born S et al., Crit Care Med 2021), im Vergleich zu normgewichtigen Neugeborenen nicht nur mehr als 20-mal häufiger eine Sepsis erleiden, sondern auch eine mehr als 10-fach höhere Sepsis-Sterblichkeit aufweisen.
Frühgeborene
Sepsis in der Schwangerschaft
Infektionen können während der Schwangerschaft häufiger sein und schwerer verlaufen, denn einige Funktionen des körpereigenen Abwehrsystems werden während der Schwangerschaft unterdrückt.
Außerdem nimmt die Blutmenge im Körper der Schwangeren zu, wodurch Herz, Lunge und Nieren stärker arbeiten müssen und Infektionen dadurch möglicherweise schwerer zu erkennen sind.
Eine sogenannte Wochenbettsepsis (puerperale Sepsis), war vor dem Bewusstsein für Hygienemaßnahmen sehr häufig und führte zum Tod vieler Mütter und Neugeborener. Sie wurde damals Kindsbettfieber genannt.
Auch heute noch, kann sich in seltenen Fällen eine Wochenbettsepsis entwickeln. Deren Häufigkeit ist jedoch in entwickelten Industrienationen im Vergleich zu früheren Zeiten erheblich zurückgegangen (10-20 Sepsisfälle und 0,5-1 Todesfälle/100.000 Geburten). In Ländern mit niedrigem Einkommen liegt diese jedoch weitaus höher, weltweit sterben jährlich ca. 75.000 Mütter an den Folgen einer Wochenbettsepsis.
Warnzeichen: Wann sofort Hilfe holen?
Eine Sepsis kann sich schnell entwickeln. Deshalb sollten Schwangere und Wöchnerinnen sofort ärztliche Hilfe suchen, wenn eines oder mehrere dieser Zeichen auftreten:
Fieber oder Schüttelfrost
Sehr starkes Krankheitsgefühl
Schneller Puls oder schnelle Atmung
Atemnot
Verwirrtheit, Benommenheit oder ungewöhnliche Müdigkeit
Starke Schmerzen im Bauch, Becken oder an der Wunde
Übelriechender Wochenfluss
Sehr wenig Urin
Wichtig ist: nicht jedes dieser Zeichen bedeutet automatisch Sepsis. Aber in Schwangerschaft und Wochenbett sollte immer rasch abgeklärt werden, ob eine schwere Infektion vorliegt.
Auch wichtig zu wissen: es gibt Antibiotika, die in der Schwangerschaft sicher wirksam und nicht schädlich für die Schwangere und das ungeborene Kind sind.
Eine Sepsis kann in der Schwangerschaft, bei der Geburt oder im Wochenbett auftreten. Sie entsteht, wenn der Körper auf eine Infektion mit einer heftigen Abwehrreaktion reagiert und dabei wichtige Organe geschädigt werden. Dies ist ein medizinischer Notfall und muss sofort behandelt werden.
Weltweit gehört sie zu den wichtigen Ursachen mütterlicher Todesfälle. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist sie für etwa 11% der mütterlichen Todesfälle verantwortlich.
Daher ist es wichtig, Infektionen während der Schwangerschaft zu verhindern und rechtzeitig konsequent zu behandeln.
Sepsis verursacht etwa 11% der mütterlichen Todesfälle
Warum ist das Risiko für Sepsis in der Schwangerschaft anders?
Ursachen für maternale Sepsis
In der Schwangerschaft verändert sich der Körper stark. Das Immunsystem und das Herz-Kreislauf-System arbeiten anders als sonst. Dadurch können Infektionen schwer verlaufen oder später erkannt werden.
Auch nach der Geburt bleibt das Risiko noch eine Zeit lang erhöht. Besonders im Wochenbett sollten Fieber, starke Schmerzen oder ein auffälliges Krankheitsgefühl immer ernst genommen werden.
Prinzipiell kann Sepsis durch jede Infektion entstehen, auch durch virale Infektionen wie Grippe oder COVID-19.
Die häufigsten Auslöser maternaler Sepsis sind allerdings:
Infektionen der Gebärmutter oder der Eihäute
Harnwegsinfekte oder Nierenbeckenentzündungen
Lungenentzündungen oder schwere Virusinfektionen
Infektionen nach Kaiserschnitt, Geburtsverletzungen oder anderen Eingriffen
Welche Frauen haben ein höheres Risiko?
Das Risiko steigt unter anderem bei:
Kaiserschnitt
Vorzeitigem Blasensprung oder langem Geburtsverlauf
Geburtsverletzungen oder zurückgebliebenen Plazentaresten
Vorerkrankungen wie Diabetes, Adipositas, Nieren- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Geschwächtem Immunsystem
Alter > 35 Jahre
Am wichtigsten ist, Infektionen früh zu erkennen und zu behandeln. Hilfreich sind außerdem regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, gute Hygiene und das Ernstnehmen von Warnzeichen.
Präventiv schützen insbesondere Impfungen vor schweren Infektionen, die eine Sepsis auslösen können. Diese schützen nicht nur die Mutter, sondern auch das Neugeborene.
Wichtig: Lassen Sie sich immer von Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt beraten und orientieren Sie sich an den aktuellen STIKO-Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Wer sich in der Schwangerschaft oder nach der Geburt plötzlich deutlich krank fühlt, sollte nicht abwarten.
Bei Verdacht auf Sepsis zählt jede Stunde!
Prävention in der Schwangerschaft
Abschließende Handlungsempfehlungen zum Sepsis-Check
Hören Sie auf Ihr Gefühl und/oder das Gefühl Ihres Kindes.
Im Zweifel zu früh oder zu häufig abzuklären, ist niemals eine falsche Entscheidung.
Unsere Checklisten sollten zum sicheren Ausschluss einer Sepsis oder anderer akuter Erkrankungen immer in Kombination mit einer ärztlichen Einschätzung verwendet werden.
Holen Sie bei Unsicherheit zeitnah weiteren Rat ein.
Sie erhalten sofortige Unterstützung bei der Dringlichkeitseinschätzung der Symptome auch nachts und am Wochenende über die 116 117.
Ihr Kind wurde bereits ärztlich vorgestellt?
Holen Sie sich bei Unsicherheiten oder plötzlicher Verschlechterung eine zweite Einschätzung ein.
Dies ist auch nachts und am Wochenende über die 116 117 möglich.
Beschreiben Sie Symptome und ungewohntes Verhalten genau und fragen Sie gezielt nach: Könnte es Sepsis sein?
Vermuten Sie eine Sepsis oder einen anderen lebensbedrohlichen Notfall, wählen Sie bitte sofort den Notruf 112 oder bringen Sie Ihr Kind in die Notaufnahme.
Kostenfreies Beratungstelefon der Sepsis-Stiftung
Bei Fragen oder Unsicherheiten zur Sepsis-Erkennung oder Prävention, sowie in der Akutphase und Nachsorge, stehen wir Ihnen gerne über unser Beratungstelefon zur Verfügung.
Qualitätssicherung
Seiteninhalt zuletzt geprüft: 20.08.2026
Literatur (Auswahl)
Surviving Sepsis Campaign – Pediatric Guidelines (2026); Schlapbach et al. 2024 (JAMA); S2k-Leitlinie: Nosokomiale Sepsis bei Früh- und Neugeborenen (AWMF 024-008); The Global Maternal Sepsis Study GLOSS (2020); SSC Guidelines for Children 2020; Almond 2009 (BMJ); S3-Leitlinie Sepsis (AWMF 079-001).
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